Der ehemalige Leuchtturm am Kollicker Ort ist ein gutes Beispiel dafür, wie eng Küste, Schifffahrt und Landschaftsschutz an der Ostsee zusammenhängen. Hier geht es nicht nur um ein historisches Seezeichen, sondern auch um Erosion, Sicherheit und die Frage, was von einem markanten Ort bleibt, wenn das Bauwerk verschwunden ist. In diesem Artikel ordne ich den Standort auf Rügen ein, erkläre die frühere Funktion des Turms und zeige, was sich heute an der Steilküste von Jasmund wirklich lohnt.
Das Wichtigste zum ehemaligen Leuchtfeuer am Kollicker Ort
- Der Turm stand an der Ostküste der Halbinsel Jasmund auf Rügen, südöstlich des Königsstuhls.
- Er wurde 1904 gebaut und ab dem 1. April 1905 betrieben.
- 2025 wurde das Leuchtfeuer wegen der fortschreitenden Küstenerosion zurückgebaut.
- Zuletzt diente es als Quermarkenfeuer für Sassnitz und als Orientierungsfeuer für die Prorer Wiek.
- Heute ist der Ort vor allem als Aussichtspunkt und Landschaftserlebnis interessant, nicht mehr als klassischer Leuchtturm-Besuch.
- Wer dorthin fährt, sollte die Tour mit Jasmund, Königsstuhl und den Kreidefelsen verbinden.
Warum der Turm 2025 verschwinden musste
Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Ostsee ließ den Turm 2025 zurückbauen, weil die Küstenlinie an der Steilküste immer weiter zurückwich und das Bauwerk damit in akute Absturzgefahr geriet. Genau das macht den Ort so spannend: Er zeigt sehr klar, dass Küstenarchitektur an so exponierten Stellen nie völlig unabhängig von der Natur funktioniert. Die Entscheidung war deshalb keine ästhetische, sondern eine sicherheitstechnische.
Der NDR berichtete vom Rückbau eines rund sieben Tonnen schweren Turms, der wegen des steilen Geländes sogar per Hubschrauber abtransportiert werden musste. Für mich ist das mehr als eine spektakuläre Randnotiz. Es zeigt, wie aufwendig es werden kann, einen historischen Bau zu entfernen, wenn ein Nationalpark, ein Absturzhang und schlechtes Wetter zusammenkommen. Der Turm war am Ende nicht mehr zu retten, obwohl er über viele Jahrzehnte als festes Seezeichen galt.
| Zeitraum | Ereignis | Einordnung |
|---|---|---|
| 1904 | Bau des Leuchtfeuers | Beginn der Geschichte an der Kreideküste |
| 1. April 1905 | Inbetriebnahme | Unterstützung für die Navigation vor Rügen |
| Ende Juli 2025 | Technische Abschaltung | Der Betrieb war nicht mehr sinnvoll sicherzustellen |
| September 2025 | Rückbau | Demontage und Abtransport der Segmente |
Wer den Ort heute besucht, sollte also nicht mit dem Bild eines intakten Leuchtturms rechnen, sondern mit einer Landschaft, in der man die ehemalige Position nur noch gedanklich nachvollzieht. Genau diese Verschiebung vom Bauwerk zur Küste ist der nächste wichtige Punkt.

Wo der Kollicker Ort liegt und warum die Lage so besonders ist
Der Kollicker Ort liegt auf der Ostseite der Halbinsel Jasmund, in direkter Nachbarschaft zu den Kreidefelsen und mit Blick auf die offene Ostsee. Das Gelände ist schmal, steil und stark exponiert. Man spürt dort sofort, dass dieser Küstenabschnitt nie nur Kulisse war, sondern immer auch Arbeitsraum für die Schifffahrt und zugleich empfindlicher Naturraum.
Ich würde den Standort als typischen Rügen-Ort beschreiben, an dem drei Dinge zusammenkommen: eine dramatische Landschaft, ein historischer Verkehrsweg auf See und die ständige Veränderung durch Wind, Wasser und Abrutschungen. Genau deshalb wirkt der Platz auch ohne Turm noch stark. Der Blick auf die Kreidewand der Stubbenkammer, der Abstand zum Königsstuhl und die Nähe zur Prorer Wiek geben dem Ort seinen eigentlichen Reiz.
Wer vor allem Küstenlandschaften liebt, sollte den Kollicker Ort nicht isoliert betrachten. Sinnvoll ist immer die Verbindung mit dem umliegenden Nationalpark Jasmund. So versteht man besser, warum an dieser Stelle so lange ein Leuchtfeuer stand und warum es am Ende trotzdem aufgegeben werden musste.
Welche Aufgabe das Leuchtfeuer für die Schifffahrt hatte
Technisch war der Turm kein romantisches Dekor, sondern ein Arbeitstier für die Navigation. Er diente als Quermarkenfeuer für den Hafen Sassnitz und als Orientierungsfeuer für die Prorer Wiek. Solche Feuer helfen Schiffen, ihre Position relativ zu einem Küstenabschnitt besser einzuschätzen. Das ist besonders dort wichtig, wo Sicht, Strömung und Küstenform die Orientierung erschweren.
Ein Quermarkenfeuer markiert vereinfacht gesagt eine Linie oder Querung, an der sich Schiffe orientieren können. Ein Orientierungsfeuer hilft eher dabei, einen Küstenraum als Ganzes einzuordnen. Der Unterschied klingt klein, ist für die Seefahrt aber entscheidend. Gerade in einer Region mit mehreren nah beieinanderliegenden Leuchtzeichen kommt es auf eine klare Kennung an, damit man das richtige Licht nicht mit einem anderen verwechselt.
Das erklärt auch, warum der Kollicker Ort über Jahrzehnte technisch immer wieder angepasst wurde. Die Aufgabe blieb gleich, die Optik und die Lichttechnik änderten sich. Für mich ist das ein gutes Beispiel dafür, wie sich maritime Infrastruktur permanent weiterentwickelt, ohne dass man es von außen sofort sieht.
Was Besucher heute an der Stelle noch sinnvoll erleben können
Wer wegen des ehemaligen Leuchtturms kommt, wird vor allem Landschaft bekommen. Und das ist in diesem Fall kein Trostpreis, sondern der eigentliche Gewinn. Heute lohnt sich der Ort vor allem als Aussichtspunkt auf die Steilküste, als kurzer Abstecher im Nationalpark Jasmund oder als Zwischenstopp auf einer Küstenrunde zwischen Sassnitz und Königsstuhl.
Am meisten bringt der Besuch bei klarer Sicht und nicht zu starkem Wind. Dann zeigen die Kreidefelsen ihre Helligkeit besonders gut, und man erkennt die Lage des ehemaligen Seezeichens deutlich besser. Bei Nebel oder nasser Witterung wird die Atmosphäre zwar eindrucksvoller, aber der Weg an der Steilküste verlangt dann mehr Aufmerksamkeit. Ich würde deshalb feste Schuhe und eine windfeste Jacke immer einplanen, selbst im Sommer.
- Für einen kurzen Abstecher reichen oft 30 bis 45 Minuten.
- Für eine Küstentour mit Königsstuhl und Blick auf die Stubbenkammer würde ich mindestens 2 bis 4 Stunden ansetzen.
- Die stärksten Eindrücke bekommt man meist am frühen Vormittag oder am späten Nachmittag, wenn Licht und Schatten die Kreidekante besser zeichnen.
- Wer Natur und Geschichte verbinden will, sollte den Ort nicht als Einzelattraktion sehen, sondern als Teil der Jasmund-Küste.
Gerade dieser Mix macht den Standort interessant: Man geht nicht zu einem noch aktiven Leuchtturm, sondern zu einem Platz, an dem die Küste selbst zur Hauptfigur geworden ist. Und genau das führt direkt zur größeren Frage, was der Ort über Rügens Küste erzählt.
Was der Ort über Rügens Küste verrät
Der Rückbau des Turms ist kein Ausnahmefall, sondern ein Signal. Rügens Steilküsten sind dynamische Räume, keine statischen Aussichtsplattformen. Was heute sicher erscheint, kann in ein paar Jahren durch Abbruch, Hangrutsch oder Uferverlust eine andere Bewertung bekommen. Für mich ist das die eigentliche Lehre aus dem Kollicker Ort: Küstenlandschaft ist nie endgültig, selbst wenn man dort jahrzehntelang gebaut hat.
Das betrifft nicht nur Leuchtfeuer, sondern auch Wege, Aussichtspunkte und touristische Erwartungen. Wer an die Ostsee reist, sucht oft Beständigkeit in Form von Bildern, die er schon kennt. Die Küste antwortet darauf anders: mit Veränderung, Wind, Erosion und neuen Blickachsen. Genau deshalb wirken Orte wie dieser so nachhaltig. Man merkt dort sehr deutlich, dass Natur nicht Kulisse ist, sondern Rahmenbedingung.
Ich halte solche Beispiele für wichtig, weil sie Reisen ehrlicher machen. Wer die Ostseeküste nur als schöne Front betrachtet, sieht zu wenig. Wer sie als lebendigen, manchmal widersprüchlichen Raum versteht, bekommt deutlich mehr aus einem Besuch heraus.
Was ich für einen Besuch an Jasmunds Steilküste empfehlen würde
Wenn ich heute dorthin fahre, plane ich den Kollicker Ort nicht als Pflichtstopp, sondern als Teil einer kleinen Küstenroute. Das funktioniert am besten, wenn man sich nicht hetzen lässt und dem Wetter etwas Spielraum gibt. Ein halber Tag ist oft sinnvoller als ein bloßer Fotostopp, weil sich die Landschaft je nach Licht, Wind und Sicht sehr unterschiedlich zeigt.
- Ich würde den Besuch mit dem Königsstuhl oder dem Nationalpark Jasmund verbinden.
- Ich würde nur auf den markierten Wegen bleiben, weil die Steilküste empfindlich und stellenweise instabil ist.
- Ich würde bei starkem Wind besonders aufmerksam sein, auch wenn die Aussicht dann spektakulär wirkt.
- Ich würde den Fokus nicht auf das verschwundene Bauwerk legen, sondern auf die Wechselwirkung von Meer, Kreide und Wald.
Am Ende bleibt vom Leuchtturm am Kollicker Ort vor allem eine klare Erkenntnis: Einige Orte sind wertvoller, wenn man ihre Geschichte kennt und ihre heutige Form akzeptiert. Wer dort steht, sieht kein technisches Bauwerk mehr, aber eine der eindrucksvollsten Küstenlagen auf Rügen. Genau darin liegt heute der eigentliche Reiz dieses Platzes.